Über mich
Wolfgang Thiele (* 1951 in Dortmund )
„Old man rocking“
1962 kam ich als Dortmunder nach Hessen und dort, im Internat in Amöneburg bei Marburg, zur Musik. 1963 startete ich als Trompeter im Schulblasorchester. Über die kleine Trommel kam ich dann zur großen Trommel und spielte in der Schuljazz Band Schlagzeug. Bei den freien Sessions in Reinhold Münchs Musikunterricht bediente ich regelmäßig den Kontrabass. Das Beat Fieber, das die Welt ergriffen hatte, erreichte auch das Dörfchen hoch über dem Ohmtal, und so gründete ich mit Schulkameraden 1965 meine erste Band „The Points“.
Die Autogrammkarten, ein Linolschnitt-Druck, waren längst fertig und unterschrieben, als ich von meiner Schwester meine erste Gitarre abstaubte. Auf dieser Wandergitarre übte ich die ersten Griffe und spielte hiermit auch zu Beginn den Bass Part der Points. Die Basstrommel des Schlagzeugers war ein Pril-Eimer hinter einer kreisrund geschnittenen Pappe. Beim ersten Auftritt 1966 in der Schulaula spielte ich mit einem geliehenen Höfner Bass, der über ein altes Radio verstärkt wurde. Die Gesangsanlage bestand aus einem Tonbandgerät.
Beim letzten Auftritt 1967 besaß ich bereits meinen eigenen Bass – einen Höfner Club Bass, für DM 340 von meinen Eltern gesponsert. Der Beatles Bass kostete damals übrigens DM 360, und ein ‚Heiermann‘ für meine erste Single „My Generation“ von The Who war schon ein Haufen Geld – die seltenen und teuren LPs konnte ich mir gar nicht leisten.
Die Schulleitung hatte eine Eminent Gesangsanlage, ein Quelle Schlagzeug und einen Fender Bass ‚King‘ gestiftet. Bei Krachern wie „Hang on Sloopy“ oder „Poor Boy“ ging es mächtig ab. Gleichzeitig griff ich oft zur Gitarre. Mein erstes Lied an der Klampfe war natürlich „Blowin´ in the Wind“. Damals reichten mir noch drei Akkorde, aber das Lied war rund. Später hängte ich mir auch, wie Bob, der Meister, eine Bluesharp vor den Hals. Und auch an Stücken von den Stones versuchte ich mich bereits.
Während meine hessischen Bandkollegen lieber AFN und Schlagerbörse mit Heinz Werres hörten, empfing ich über mein Nordmende Kofferradio BBC London, weil BFBS, der englische Soldatensender, den ich aus Dortmund kannte, nicht bis Amöneburg reichte.
Als Rolling Stones Fan der ersten Tage war ich schon mit 16 Jahren 1967 in der Dortmunder Westfalenhalle dabei, als Brian Jones bei Ruby Tuesday die Blockflöte blies. Alte Freunde von damals nennen mich noch heute „Charlie“ nach meinem Liebling von den Stones.
Ich hatte nie den Ehrgeiz, Stücke originalgetreu zu spielen, das war mir viel zu mühsam. Ich fand lieber meinen eigenen Dreh – und nehme es bis heute nicht so genau. Stücke, die im Original von fünf Leuten gespielt werden, hören sich anders an, wenn ich sie allein auf der Gitarre spiele – na und? Wenn sie sich etwas nach Wolfgang Thiele anhören, umso besser.
Nach dem Abi und einer kurzen Stippvisite in Dortmund/Bochum, bei der es 1970 zu einem Solo Auftritt als Opener in der Dortmunder Feldscheune kam, landete ich im gleichen Jahr wieder in Marburg – natürlich mit Bass und Klampfe. Mit „Rod Mc Germany“ spielte ich Mitte der 70er als Bassist auf einem Festival auf der Freilichtbühne am Schloss über die Bassanlage von „Pell Mell“. Während des Konzertes rauchte sie leider ab. Die Top Acts wie Atlantis oder Volker Kriegel hatten solche Probleme natürlich nicht.
Am Baggersee waren Gitarre und Mundharmonika immer dabei. Improvisationen ohne Ende waren damals angesagt, und einige begnadete Gitarrenspieler brachten ihr Pink Floyd Solo. Später begleiteten sie mich bei meinen Songs. Von Anfang an wollte ich mit meinen bescheidenen Gitarrenkünsten einen Song von Anfang bis Ende spielen – dazu waren viele Super Solo Gitarristen nicht in der Lage. 1974 entstand mein erstes eigenes Lied, „Mein Lied“. 2007 habe ich es wieder ausgegraben und im Vorprogramm von „The Booster“ in der Kleinen Bühne in Wetzlar gesungen.
Mit Rod McGermany Gitarrist Rainer Waldeck entstand Mitte der 70er die Band „Metropolitain“ mit Klaus Baumann am Schlagzeug, Gregor „Embryo“ Ludewig als zweite Gitarre und mir am Bass. Der Übungsraum war ein Gewölbekeller mit Lichtklingel in der Reitgasse. Die langen Abende mit Improvisationen in bester Cream Tradition hatten immer Publikum. Der einzige öffentliche Auftritt im Marburger Studentendorf war allerdings nicht so beeindruckend. Nach Programm spielen war nicht unser Ding.
Am Bass hatte ich dann Pause, bis die „Mick Schwarz Band“ zu Beginn der 80er Jahre einen neuen Bassisten brauchte, weil Günter Risse nach Dortmund zurückkehrte. Er wohnte wie ich im gleichen Dorf, in Cölbe-Reddehausen. Hier wurde ich auch von Günter eingearbeitet. Geübt hat die Mick Schwarz Band öffentlich beim „Ebs“. Am Schlagzeug saß damals, wie heute, Elmar Altwasser. Mit „You really got me“ habe ich dann auch bald mein erstes Stück am Bass gesungen. Später findet es sich auf der Programmliste von „The Booster“.
In der „Mick Schwarz Band“ habe ich sechs Jahre lang wechselnde Besetzungen erlebt. Bald kam Jürgen „Zabel“ Michel als Sologitarrist dazu. Beim Raumland Konzert in Erndtebrück, am 16. Juni 1983, saßen mit Michael Walter und Michael “Diego“ Wild zwei Ausnahmeschlagzeuger auf der Bühne.
1987 rief mich die Parksauna Albshausen, die ich bis 2015 betrieb, in dem Raum Wetzlar. Die „Mick Schwarz Band“ musste sich nun einen neuen Bassisten suchen, und ich stellte den Bass in die Ecke, doch immer dabei war aber meine Gitarre.
Stressabbau bewältigte ich nicht im Yoga Kurs, sondern an der Gitarre. Ich brauche es einfach. Es drängt und muss raus. Meistens spielte ich alleine, doch gelegentliches Publikum war auch mein Freundeskreis. Und auch meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben mir bei gemeinsamen Feiern offensichtlich gerne zugehört.
Wohnzimmer-Sessions mit anderen Sologitarristen hat es immer wieder gegeben, so 1973 mit Norbert Heckendorf in Dortmund oder mit Wolfram „Knitterfrei“ Grumbrecht im Jahre 1975 in Marburg, wovon es noch alte Aufnahmen gibt, aber auch Ende der 70er mit Joe Pawlak und natürlich in der Wetzlarer Zeit 2005 in Albshausen mit Ralf Willy Wagner.
2003 fragte mich Holger Späth, der mit Schlagzeuger Jens Brüning ein Trio gründen wollte, ob ich den Bass übernehmen wolle. Ich lehnte anfänglich ab, weil ich nicht glaubte, dass mein Geschäft mir Zeit für ein Band Projekt lassen würde. Aus meiner Zusage „Bis ihr einen anderen findet“, wurde ein Gastspiel von sechs Jahren. In dieser Zeit ist aus „The Booster“, später mit Peter Theobald am Schlagzeug, eine Wetzlarer Traditionsband geworden. Unser Sixties Power Rock ging gut ab. Einige Stücke, darunter „Sunny Afternoon“, habe ich am Baß gesungen. Am 26. September 2009 fand das letzte Konzert in Bernds Kleiner Bühne statt. Dort waren wir eine von Bernds Hausbands. Doch Solo ist spannender.
Bei einigen Booster Gigs spielte ich bereits ein kurzes Vorprogramm und testete meine Solo Qualitäten vor Publikum. Bei zwei Großfeten in Langenstein und Marburg 2007 dauerten meine Auftritte bereits über eine Stunde. Der große Applaus und die vielen Komplimente danach drängten mich nun abendfüllend auf die Bühne. Einige Songs begleiten mich von Anfang an. Viele sind erst in letzter Zeit dazugekommen. 2005 entstand „Honey Hush“ in einer bluesigen Solo Version. Hart und rockig gehörte es zum Programm von ‚The Booster’. „Cause I´ve got the Blues“ folgte 2006.
Am 4. Dezember 2008 präsentierte ich mein Soloprogramm erstmalig im Molly Malones in Marburg. Am 15.Januar 2009 im Cafe Vinyl und am 24.Januar in der Bunten Katze folgten bereits weitere Auftritte. Mit zwölf Konzerten im Jahre 2009 fing mein erstes Solo Jahr gut an. Danach folgten Konzerte in Braunfels, Gießen, Dillenburg und regelmäßig in der Parksauna.
Der große Erfolg und das Presseecho hatten mich etwas überrascht. Denn ich bin etwas anders, etwas eigen und echt von damals.
2010 sah ich ein Video mit Amy Belle und Rod Stewart. Sie sangen im Duett „I don’t want to talk about it” von Danny Whitten. Ich war hingerissen, besonders von Amy Belle, und dachte an Andrea Reppel, mit der ich schon 2004 drei Stücke auf dem Parksauna Sommerfest gesungen hatte. Ich kenne sie, seit sie acht Jahre alt war, und meinem Vorschlag, als ‚special guest‘ mit auf die Bühne zu kommen, folgte Andrea gerne. Wir übten, und im März 2011 war es soweit. Andreas Debüt im Cafe Vinyl war ein großer Erfolg. „I don’t want to talk about it” war natürlich auch im Program.
Ein weiterer Traum hat sich 2011 ebenfalls erfüllt: Eine eigene CD!
Im Sommer verbrachte ich einige Abende bei Thilo Krieger im „Desert Inn Studio“ in Sinn-Edingen. Da sich kein Sponsor fand, hatte ich die Produktion selbst geregelt. „THIELERECORDS“ heißt mein Label. Die 17 Stücke meiner CD sind von Thilo sorgsam aufgenommen und behutsam bearbeitet worden. Genau so bin ich auch im Konzert zu hören, ohne jegliche Studiomätzchen und mit einem bunten Programm. Meine eigenen Stücke sind zu hören und einige deutsche Schlager. Mit dieser neuen Leidenschaft bin ich sehr erfolgreich. Die einen lachen, die anderen sind gerührt, wenn ich „Heimatlos“ von Freddy oder das „Pferdehalfter“ singe. Nichts gegen den Blues, er gehört dazu, ich liebe, spiele und habe den Blues, aber nicht den ganzen Abend. Lieber nehme ich in meinen Konzerten und auch auf meiner CD mein Publikum mit auf eine abwechslungsreiche Reise durch die Musikgeschichte. Die Release Party fand am 24. November 2011 in Wetzlars Wohnzimmer statt, im Café Vinyl, und Andrea war natürlich mit dabei.
Weitere Highlights waren 2012 „Old Man Rocking“ auf dem Hessentag in Wetzlar am 1. Juni am Eisenmarkt und „Young Girl Meets Old Man Rocking“ live in Wettenberg bei den 23. Goden Oldies am 29. Juli 2012 in der Inselstrasse.
Mit 22 Konzerten war 2013 mein bisher fleißigstes Jahr, und auch 2014 ist sehr gut gelaufen. Ein Highlight war die Sommermatinee am 25. Mai im Rosengärtchen in Wetzlar. Das Wetter hat mitgespielt. Über 300 Leute waren gekommen. Damit lag ich deutlich über dem Durchschnitt dieser Veranstaltungsreihe des Wetzlarer Kulturamts.
Vor dem Konzert bin ich durch die Ränge gegangen und habe viele Bekannte persönlich begrüßt. „Ich bin wieder hier“ von Marius Müller-Westernhagen war mein letztes Stück. Mit „The Booster“ war ich schon hier. Doch diesmal stand ich ganz allein auf der Bühne, auf der schon Karl Heinz Stockhausen, Alan Stivell oder Klaus Doldinger gestanden haben. Arnd Hoffmann hat den Ton auf meiner Dynacord Powermate 600 genial gemischt. Der Vogelgesang war im Hintergrund zu hören, als ich mein neues Stück „Ich will heut´nicht“ gespielt habe. Arnd kam mit seinen Harps zum Schluss auch auf die Bühne. Mit zwei Mundharmonikas wurde es bluesig. Christiane Scheffler hat gefilmt. Es gibt ein Video von diesem unvergesslichen Konzert.
Am 19. Juni hatte ich mein erstes Konzert außerhalb Hessens. In Bad Berleburg war ich Hochzeitsmusiker im „Britannia Inn“. Ein Set war echt irisch. Werner Günter hat die Geige gespielt, und ich durfte ihn begleiten. Bei „Whisky in the Jar“ hat er mich begleitet. In Auszügen gibt es auch dieses Konzert auf Video. Rita Surrey, meine Liebste, hat gefilmt. Mike Cox, der Betreiber und Koch des „Britannia Inn´s“ hat mich dann gleich für ein öffentliches Konzert am 19. Juni verpflichtet. Die erste Hälfte fand draußen auf der Terrasse statt. Die zweite Hälfte wurde wegen des ungemütlichen Wetters nach Innen verlegt. Auch dies war ein großer Erfolg. Leider der letzte an diesem Ort. Mike ist verstorben und das „Britannia Inn“ geschlossen.
Der musikalische Abschluss des Jahres war, wie gewohnt, mein Silvesterkonzert im Parkhotel in Albshausen. Es sollte das letzte sein. Nach zehnjährigen Bemühungen ist es meiner Erbengemeinschaft gelungen, das Parkhotel und die Parksauna zu verkaufen. Ich erhielt die Kündigung.
Neue Locations aufzutun, ist nicht ganz einfach. Doch auch 2015 sieht mein Terminkalender mit 22 Konzerten ganz gut aus. Mein Radius vergrößert sich. Im Januar war ich im „Blackwater Irish Inn“ in Winterberg. Ebenfalls im Januar habe ich zwei Konzerte mit Arnd Hoffmann bestritten. Im Cafe Vinyl und in Conny´s Binding am Eisenmarkt war ich mit ihm auf der Bühne. Er hat mich bereits bei einigen Konzerten zum Finale verstärkt, aber abendfüllend gemeinsam mit Arnd war neu und eine Bereicherung. Am 24. Juli war ich wieder bei den „Golden Oldies“ in Wettenberg. Das Wetter war traumhaft schön, und das Publikum genoss bei Wein und Cocktails den entspannten Abend. Am 15. August stand Petras „Bunte Katze“ auf meinem Terminplan, am 24. August der Backhausplatz in Asslar zur Sonntagsmatinee. Für den guten Ton hat wieder Arnd Hoffmann gesorgt.
Spektakulär war das Ende meiner Tätigkeit in Albshausen. Das Parkhotel und die Parksauna haben Ende Mai dicht gemacht. Ich habe diesen Betrieb 28 Jahre geleitet. Hier hatte ich auch eine hervorragende Plattform für meine Musik. Ostern, Silvester und das Sommerfest waren für mich regelmäßige Konzerttermine. Die Aufgabe des Geschäfts war sehr aufwendig, die Musik hat darunter etwas gelitten, nicht jedoch meine Konzerte in dieser Zeit. Sie waren eine erholsame Abwechselung vom Druck und der Anspannung, die meinem Umzug nach Braunfels um die Jahresmitte begleitet haben.
Hier wohne ich nun mit viel Platz, Sauna und Garten in der Altstadt. In meinem Übungsraum kann ich auch nachts musizieren ohne die Nachbarn zu belästigen. Die Anreise zu meinen Konzerten in Kostas Bistro am Schloss hat sich sehr verkürzt. Zu Fuß sind es 3 Minuten, doch meine Anlage transportiere ich weiterhin mit dem Auto.
Bei meiner Ausrüstung hat es ebenfalls eine Veränderung gegeben, Zunächst habe ich mich von meiner „Acoustic“ Bassanlage getrennt. Sie war zu groß um ungenutzt in der Ecke zu stehen. Ich habe sie in gute Hände nach Hannover abgegeben. Später habe ich auch meinen kleinen „Trace Elliot Boxer 65“ und meine zwei Bässe verkauft. Das fiel mir sehr schwer, es waren alles unverbastelte Raritäten. Sie sind in meiner Erinnerung, aber ich brauche sie nicht mehr.
Der Jahreswechsel 15/16 war für mich eine ganz besondere Erfahrung. Seit mehr als drei Jahrzehnten hatte ich zum ersten Mal eine ruhige und erholsame Silvesternacht ohne Arbeit. Die neue Freiheit habe ich genutzt und diese Nacht in Köln verbracht. Nicht am Hauptbahnhof, sondern an der friedlichen Rheinuferpromenade in Rodenkirchen. Das Feuerwerk war grandios, die Stimmung ebenfalls.
Am 29. Januar habe ich mein achtes Konzert im Bistro am Schloss in Braunfels gespielt. Leider das letzte Mal, wie ich dachte, denn Kosta hat das Bistro aufgegeben. Die Konzertabende waren immer gut besucht, doch die Woche hat sieben Tage. Braunfels ist etwas ärmer geworden.
Umso mehr habe ich mich gefreut, am 21. August wieder vor Braunfelser Publikum auftreten zu dürfen. Auf dem Mühlenfest der heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft Braunfels e.V. war ich neben dem Volkstanzkreis Braunfels und der Solmser Stadtkapelle dabei. In dieser volkstümlichen Umgebung konnte ich nicht zuletzt mit meinen alten deutschen Schlagern glänzen.
Am 5. November hatte ich dann doch noch ein Konzert im Bistro am Schloss in Braunfels. Seit Oktober hatte es unter neuer Leitung wieder geöffnet. Es war zwar nicht mehr das alte, es war nun modern, hell und trendy. Doch zum Konzert waren die alten Leute wieder da und auch die Atmosphäre aus den alten Zeiten. Zum Jahresende wurde das Bistro bereits wieder geschlossen. Es ist in Braunfels wohl schwierig, mit der Tradition zu brechen.
Mit mehr als 25 Konzerten war ich auch mit dem Jahr 2016 wieder zufrieden. Neu dabei waren Konzerte in Limburg, Runkel und Schlitz.
Mein Konzert bei den Golden Oldies war ein Heimspiel, die meisten kannten mich vom letzten Jahr. Es hat wieder großen Spaß gemacht, auch wenn ein kleiner Regen an diesem sommerlichen Abend für eine Unterbrechung gesorgt hat.
Im Jahr 2017, ist mein Terminkalender etwas dünner geworden, als in den Vorjahren. Das Irish Pub in Gießen ist weggefallen. Dort habe ich letztes Jahr fast monatlich gespielt. Seit Jahresbeginn hat es einen neuen Betreiber, der bei seinen Buchungen nicht durchblickt. Schade.
Mein erstes öffentliches Konzert war erst im März und hat mich mal wieder nach Weilburg gebracht, ins „Cozy“, ein neues Lokal. Schön war es.
Mein Juni Konzert in der Bunten Katze in Wetzlar war wieder ein Heimspiel unter Freunden. Es ist ein tolles Gefühl, gleich nach den ersten Tönen zu spüren: Es wird gut. Nach dem ersten Set hat uns der Regen aus dem Biergarten vertrieben. Aber das kenne ich ja bereits. Es macht allen Beteiligten einen Riesenspaß, wenn es Drinnen weiter geht.
Nach dem Bootshaus in Wetzlar folgten im Juli zwei weitere Höhepunkte. Am 23. habe ich mich vor großem Publikum in Braunfels eingebürgert. Bei der Sommermatinee im Kurpark hatte ich volles Haus, als ich meinen neuen Song, „In Braunfels fühle ich mich wohl“, vorstellte und mit meinen alten Deutschen Schlagern glänzte.
Arnd hat mir wieder den Ton gemacht und war zum Schluss mit auf der Bühne. Wir durften eine halbe Stunde überziehen und ein paar Tage später in der Wetzlarer Neuen Zeitung eine tolle Konzertkritik lesen.
Ende Juli stand ich dann wieder am Nahrungsberg in Wettenberg, bei den Golden Oldies, auf meiner schon gewohnten improvisierten Bühne am Weinstand. Einen großen Teil des Publikums kannte ich von den Vorjahren. Das motiviert ungemein. Ich habe ja auch immer ein paar neue Songs dabei. Nächstes Jahr bin ich wieder dort.
Am 20. August war ich Vorprogramm der Solmser Stadtkapelle auf dem Mühlenfest der heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft Braunfels e.V.
Trotz Regen war die Stimmung gut. Auch hier wieder viele Deutsche alte Schlager, es wurde viel mitgesungen. Für das Sommerfest der Solmser SPD im September haben mich die Genossen eingeladen, das Fest musikalisch zu begleiten. Darauf freue ich mich ganz besonders, denn ich habe mich in Solms 28 Jahre sehr wohl gefühlt und werde dort viele alte Bekannte und Freunde treffen.
2018 waren die Highlights in meinem Terminkalender unter anderem der Hessentag in Korbach, das Rosengärtchen in Wetzlar und die Golden Oldies in Wettenberg. Ein Jahr später war ich wieder auf dem Hessentag, diesmal in Bad Hersfeld. Bald darauf spielte ich mein letztes Konzert in der Bunten Katze. Eine Wiederholung ist leider nicht möglich, die Katze ist leider endgültig geschlossen.
Das Jahr 2020 hat jeder Musiker in schlechter Erinnerung. Für mich gab es nur ein einziges Konzert im Februar. Es sollte im Schmollich in Braunfels stattfinden, so war es auch angekündigt. Doch einen Tag vorher erhielt ich eine Absage, weil die Heizung defekt war. Damit wollte ich mich nicht abfinden und überzeugte die Braunfelser Malerin und Grafikerin Jutta Wiemer das Konzert spontan in ihren Räumen, unweit vom Schmollich, zu veranstalten. An der Eingangstür vom Schmollich wies ein Hinweis auf den neuen Veranstaltungsort hin, mehr Werbung war so kurzfristig nicht möglich. Dennoch fanden sich etwa 30 Leute ein und genossen ein außergewöhnliches Konzert. Rüdiger Barysch am Cajon und Arnd Hoffmann an den Harps haben mich begleitet.
Danach folgte bekanntlich eine sehr lange Konzertpause für alle.
Corona hatte das ganze Land, die ganze Welt im Griff. Ich traf mich mehrmals mir Arnd zum musizieren und wie amüsierten uns bei dem Gedanken, dass unser Treff legal war, einem Trio jedoch wegen der Kontaktbeschränkungen das gemeinsame Musizieren verboten war.
Den ersten Corona-Sommer verbrachte ich überwiegend mit Rita in unserem sonnigen Garten. Im zweiten Corona-Jahr wurde mir die Konzert-Abstinenz unerträglich. So kam ich auf die Idee, das musikalische Treffen mit Arnd in die Öffentlichkeit zu verlegen.
Am Sonntag 2. Mai 2021 saßen wir auf kleinen Klapphockern im
Konzert-Pavillons des Braunfelser Kurparks bei strahlendem Frühlingswetter und spielten für die vorbeiflanierenden Sonntagsausflügler. Einer rief mir zu: “Endlich mal wieder echte Musik“, viele zeigten mit dem Daumen nach oben und fast alle zeigten uns ein freundliches Lächeln. Einige blieben stehen und acht Leute nahmen auf den Stufen des Pavillons Platz. Zwei Ladys tanzten sogar. Wir fühlten uns prächtig. Zwei Securitys, die wohl von der Stadt eingesetzt waren, um für die Einhaltung Corona-Regel zu sorgen, hatten an unserem Konzert nichts auszusetzen. Andernorts herrschte in öffentlichen Parks ein „Verweilverbot“. Die folgenden drei Sonntage saßen wir im Kurpark und boten unser kleines Konzert. Am letzen Mai-Sonntag war unser Konzertplatz gesperrt. Das erste Sommerkonzert fand statt, eingezäunt mit Zugangskontrolle. Wir zogen um ins Lindengärtchen links vom Aufgang zum Schloss, am Kriegerdenkmal. Hier spielte ich weitere elf Sonntage, oft mit Publikum, die auf zwei Bänken Platz nehmen können. Diese Konzerte im Lindengärtchen finden seitdem jedes Jahr sonntags bei schönem Wetter statt. Arnd ist gelegentlich dabei.
„Lily Marleen“ spiele ich dort jedes mal, zu Ehren der in zwei Weltkriegen gefallenen Braunfelser, die dort auf Bronzetafeln verewigt sind.
Im September 2022 fand unser erstes „richtige“ , und einzige Konzert in diesem Jahr statt. Endlich. Im Regen bezogen Arnd und ich die Bühne des Straßenmusikfests Cleeberg im Schlossgarten. Um Fünf fingen wir an. Es regnete. Um halb elf spielten wir die letzte Zugabe. Es regnete immer noch. Wir hatten der großen Bühne neben der Feuerwehr die Show gestohlen. Ok, das lag auch daran, dass der Schlossgarten besser mit Schirmen ausgestattet war, als der Platz vor der großen Bühne. Hier gab es auch eine tolles Wein- und Speisen-Sortiment. Aber auch Arnd und ich hatten unseren Anteil daran. Schließlich durften wir ein Jahr später wiederkommen. In diesem Jahr, 2023, war die Corona-Hysterie endlich vorbei. Im Juni rockten Arnd und ich das Rosengärtchen. Es war ein Heimspiel. Ich war gerührt, wie viele alte Bekannte ich im Publikum ausmachen konnte. 2024 waren wir im „Kirchlein“ in Krumbach. Unsere Sonntags-Matinee im Braunfelser Kurpark, die im September stattfinden sollte, fiel leider ins Wasser und wir 2025 nachgeholt.
Ende September durften wir das „Federweißerfest“ in Burgsolms am Bachtrompeter beschallen. Als wir ankamen lief Blasmusik aus der Konserve. Ich war froh, dass ich reichlich alte Deutsche Schlager dabei hatte. Zunächst musste ich die vielen alten Bekannten begrüßen. Kein Wunder, ich habe 28 Jahre in Solms gelebt. Dann durfte ich zeigen, dass ich keine musikalischen Berührungsängste habe und mit meinem Alleinstellungsmerkmal glänzen Auf Bob Marley folgte Rudi Schurike, auf Tom Waits Lale Anderson, auf Wolfgang Thiele Manuela. Es war ein gelungenes Konzert. Wohl auch mein letztes in diesem Jahr, abgesehen vom Seniorenzentrum Falkeneck. Hier spiele ich schon seit Jahren gelegentlich einstündige Konzerte.
Ich bin etwas eigenwillig. Klar spiele ich neben meinen eigenen Stücken eine bunten Reigen bekannter und unbekannter Stücke von anderen Leuten, aber gecoverte Songs sind nicht meins. Ich bringe lieber Stücke auf die Bühne, die ich mir zu Eigen gemacht habe und echte „Thieles“ geworden sind.
Meine Songs gibt es auch auf Youtube. Gerne spiele ich auch alte deutsche Schlager, wenn es passt, und spätestens bei der Zugabe passt es, aber ein Schlagersänger bin ich nicht. Manchmal sehe ich ein Tränchen im Publikum, für mich das größte Kompliment. Auch, wenn mir eine ältere Dame – ich bin 66 – über eine Texthänger bei „Cindy, oh, Cindy“ hinweghilft, oder sich ein 20-jähriger als Dylan Kenner outet und gemerkt hat, dass ich einen alten Text von Bob Dylan verbaselt habe, bin ich mit mir zufrieden. Lücken werden geschlossen und neue tun sich auf, denn zu jedem Konzert bringe ich etwas Neues mit.
Seit vierzig Jahren verlasse ich das Haus nur ungerne ohne Gitarre. Die Lieder, die ich in dieser Zeit eingesammelt oder selbst geschrieben habe, spiele ich in meinem Soloprogramm. ‚Old man rocking – Eigenes und Anderes…‘
Wolfgang Thiele,
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